Grabhöhle

Es ging also tiefer in den Bau. Über Leichen und dem Geruch von noch mehr Leichen entgegen.

Ziemlich schnell trafen wir auf die nächsten, die versuchten, uns aufzuhalten. Vier Bogenschützen standen uns auf engstem Raum gegenüber. Mit dieser Gruppe haben wir schnellen Prozess gemacht, der Inox schlug den ersten beiden die Köpfe zusammen, die Schurkin zog einen weiteren in eine Falle und stach danach in schneller Folge auf den betäubten Körper ein. Vom Quatryl kam ein Giftpfeil, so dass die vier Bogenschützen schon ziemlich demoliert waren, als ich dann schließlich in Aktion trat und weiter schnetzelte.

Die Rede vom Kampf bisher ist schon länger, als der Kampf tatsächlich gedauert hat. Alle – sogar der Inox! – haben ordentlich Köpfe eingeschlagen, Bäuche aufgeschlitzt und Dinge getan, so dass wir beinahe sofort in den nächsten Raum stürmten.

Dort stand er, das Ziel unserer Suche. Zumindest war er einen Kopf größer als die beiden Schützen neben ihm, und er nahm sich auch die Zeit, eine Begrüßung loszuwerden, als er uns sah. „Tot, blah, blah, verderben, blah, Grauen erleiden…“ – was weiß denn ich.

Innerhalb kürzester Zeit war ich bei ihm und habe seine Begrüßung mit meinen vergifteten Klingen erwidert. Diese Art der Begrüßung sagt mit eher zu, klärt sie doch gleich die Fronten. Wenig Reden, viel Gift. Hinter mir kam der Mensch in den Raum gestürmt, die ebenfalls ein Klimbim an bunten Sachen auf den großen Gegner und einen seiner Gehilfen losgelassen hat. Unverständlich nur, warum die gegnerischen Schützen den Bogen haben stecken lassen und stattdessen mit ihren Messern angreifen wollten. Doch aus diesem Fehler werden sie wohl nicht mehr lernen können. Sie kamen, sie bluteten, sie starben.

Nachdem seine beiden Lakaien tot am Boden lagen, lehnte sich der Boss noch einmal auf und öffnete eine der Nebentüren, scheinbar, um nach Verstärkung zu rufen. Und tatsächlich hatten wir anschließend drei neue Gegner, die wir auch dringend brauchten – uns drohten schon die Ziele auszugehen! Denn der Boss hielt nicht mehr lange durch und war schnell durch einen meinen Messerstiche erledigt.

Dann fing der Tüftler an, mit irgendwelchen Dingen zu hantieren und irgendwas durch die Tür zu werfen. Es blitzte, knallte und explodierte, schon waren zwei der drei restlichen Wandelnden Leichen nur noch Leichen, und der Barbar, der scheinbar erst jetzt merkte, dass wir überhaupt kämpften, drängte sich nach vorne und schlug auf den letzten Leichnam ein, bis auch dieser am Boden lag.

Interessant dabei war, dass der Barbar das Gold, dass mittlerweile überall am Boden lag, wohl für eine Falle hielt und mit einem akrobatischem Geschick, dass man ihm gar nicht zugetraut hätte, ohne zu stolpern um all die glitzernden Dinge einen Riesenbogen machte.

Der Kampf ging tatsächlich ziemlich schnell vorbei, das lag aber wohl vor allem daran, dass jeder aus dem Fast-Debakel im Schwarzgrab gelernt hatte und nicht noch einmal so dicht vor dem Versagen stehen wollte.

Dafür hatten wir anschließend genug Zeit, uns umzusehen und nach den Dingern zu suchen, die wir suchen sollten. Keine Ahnung mehr, was das war, aber dafür wurde ich auch nicht bezahlt. Stattdessen haben die Schurkin und ich noch schnell ein bisschen was von dem Klimper-Klimper aufgehoben, während der Inox stirnrunzelnd einige der Karten in der Luft drehte wie eine Ratte am Fleischspieß. Schließlich stieß der kleine Quatryl ein erfreutes Quietschen aus und wedelte mit seinen kurzen Ärmchen in der Luft. Scheinbar hatte er gefunden, was wir gesucht haben.

Jeder muss essen!

Gloomhaven.

Die Stadt meines Wurfs.

Die Stadt, in der alles anfängt.

Und die Stadt, in der alles endet.

Skisqueek Frosthauch ist mein Name, und ich bin eine Ratze. Keine normale Ratze, sonst hättet Ihr kaum von mir gehört.
Mein Wurf kam in Gloomhaven auf die Welt, und schnell trennten sich die Leben derer, die das Potential zum Leben hatten, und derer, die nur als Futter taugten. Mir hat das Schicksal die Aufgabe übertragen, zu überleben. Und darauf hat es mich vorbereitet. Im Gegensatz zu meinen wertlosen Geschwistern, die von den Wundern der Welt nichts spürten, weil ihre Gehirne klein und verkümmert waren, habe ich die Umgebung mit anderen Augen – und Sinnen – wahrgenommen.

Ich bin eine Gedankendiebin.

Als die anderen merkten, dass ich anders war, haben Sie mich verstoßen. Und versucht, mich zu töten. Denn alles, was diese mickrigen Gehirne nicht verstehen – und das ist eine Menge – muss sterben. So musste ich allein in den Kanälen von Gloomhaven überleben.

Und ich habe überlebt. Die Geschichte des restlichen Wurfs dagegen endet. Sie waren mir nicht gewachsen.

Ausgestoßen von den Ratzen, verachtet von den Menschen, alle anderen irgendwo dazwischen, habe ich gelernt, mich mit den Bewohnern von Gloomhaven zu arrangieren: sie lassen mich zufrieden, und ich töte Sie nicht.
Und so kam es, dass ich wieder einmal im „Schlafenden Löwen“ eine der guten Fleischtaschen mit reichlich Ratzenfleisch essen wollte. Überfüllt wie immer gab es dort keinen freien Tisch mehr.
Doch ich bin eine Ratze, und eine Gedankendiebin.
Schnell hat sich durch Geisterhand ein Tisch geleert, an dem ich mich niederließ. Und im Handumdrehen bekam ich von Ali, dem fremdländischen Inhaber des „Schlafenden Löwen“, mein Standardgericht „Ohne Grünzeug mit Scharf“.

Kurz habe ich noch einen Gedanken an den Inhalt der Fleischtasche verschwendet, verwundert wie immer, das meine Art so gut schmeckt, dann biß ich hinein. „Irgendwas Anderes muss noch in der Soße sein, der Geschmack ist einzigartig…“ Ich hatte den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, da passierte es.
Ein Inox setze sich neben mich! An meinen Tisch! Ich habe Ihn finster angestarrt, ja, sogar meine mentalen Kräfte auf ihn angewandt, aber er hat nicht reagiert.

Vermutlich, weil man ein Mindestmaß an Verstand haben muss, um für Geisteskräfte empfänglich zu sein.

Es mussten also handfestere Lösungen gefunden werden, von denen jedoch alle in irgendeiner Art und Weise mit meinem Giftdolch zu tun hatten. Aber darum wollte ich mich erst nach meiner Fleischtasche kümmern. Nichts sollte mir den Geschmack verderben, also konnte dieses Problem noch ein paar Minuten sein trübes Leben fristen. Immerhin roch er gut und war gepflegt.

Hätte ich bloß früher gehandelt. Dann hätte auch diese Geschichte geendet. Stattdessen habe ich nur an das Essen gedacht. Und so geht die Geschichte weiter.

Kaum drei Bissen später setzte sich noch ein weiblicher Mensch daneben. Ein Mensch! Die schlimmsten von allen! Aufgeblasen, egozentrisch und arrogant! Ich bekam keinen Bissen mehr hinunter, ich war wie gelähmt angesichts dieser Frechheit. Dabei wollte ich doch nur in Ruhe meine Fleischtasche genießen und danach wieder in der Kanalisation verschwinden. Stattdessen saß ich eingekeilt zwischen dem Inox und der Frau.

Ihr könnt euch denken, wie es weiterging. Genau. Es wurde schlimmer. Und schlimmer. Und noch schlimmer.

Ein vollkommen überdrehter Quatryl kam als nächstes durch die Tür und sah sich um. Ich dachte, er suche vielleicht etwas, das er in die Luft sprengen könnte, und ich habe mich schon nach einem Ausgang für eine schnelle Flucht umgesehen, als er zu meinem – oder jetzt schon unserem? – Tisch kam und sich ebenfalls setzte.

So konnte das nicht weitergehen. Ich machte mich gerade auf, meinen Dolch zu ziehen und ihn dem verdammten Menschenweib in den Rücken zu stechen, als… ja, ihr ratet richtig: Es gesellte sich noch eine Frau dazu.
Sollte das denn gar kein Ende nehmen?

„Hey, ihr da, ihr seht aus wie eine erfahrene Abenteurergruppe, ich benötige eure Hilfe. Ihr sollt wen für mich im Schwarzgrab umbringen!“ So oder so ähnlich waren Ihre Worte, die Ihr unvermittelt aus dem Mund sprudelten, und ich hielt inne. Und setzte mich wieder. Und hörte zu. Und aß meine mittlerweile kalte, aber immer noch hervorragende Fleischtasche.

So kam es, dass ich mich, gefolgt von den dreien – einem dämlichen Inox, dem verdammten Menschen, und einem Quatryl, der die drei hoffentlich irgendwann in eine Paralleldimension teleportieren würde – auf den Weg ins Schwarzgrab machte. Scheinbar dachten sie, die Ansprache hätte uns allen gegolten und nicht nur mir. Aber es war mir egal. Solange egal, wie sie mir nicht im Weg stehen würden. Wie die drei hießen? Keine Ahnung. Es hat mich zu dem Zeitpunkt auch nicht interessiert. Es ging ums Geschäft. Und wer weiß, vielleicht fände ich unterwegs noch ein paar meiner Art, derer ich mich annehmen könnte…

Wie die Geschichte endet? Blutig.
Doch erst kam das Schwarzgrab.

Schwarzgrab

Der Auftrag war klar. Und einfach. Dieb aufspüren, Diebesgut zurück bringen (irgendwelche Papiere) und dann Gold kassieren. Das sollte der Muskelprotz neben mir auch alleine auf die Kette bekommen.

Wir mussten auch nur 5 Straßenräuber aufmischen, um an die Info zu bekommen, wo wir Dieb und Diebesgut finden würden. Im Schwarzgrab also. Dort angekommen schlug uns bestialischer Gestank entgegen, dagegen roch der Barbar nach Veilchen. Unten angekommen trafen wir auf ein paar Banditen, na das sah nach Spaß aus. Der Plan, den ich mir zurecht gelegt hatte, war einfach: der Muskelberg stürmt nach vorne, so dass alle Verbrecher auf ihn einprügeln würden. Mit der Ratte und der Hübschen würde ich ihnen genug Schmerzen zufügen, dass sie freiwillig sterben würden. Das hätte ich nur vielleicht deutlicher kommunizieren müssen, denn dieser Hohlkopf konzentrierte sich darauf, von den Banditen wegzuspringen und diese stürzten sich auf die Schurkin. Ich kramte etwas hektisch in meinen technischen Pflastern und hielt das Mädel am Leben. Es war Arbeit, echte Arbeit, aber irgendwann waren sie tot. Von den Dokumenten und dem Dieb keine Spur. Verdammt, das fing ja gut an, und nun mussten wir weiter in dieses stinkende Loch.

Auf der anderen Seite der Türe erwarteten uns weitere Banditen (da musste ein Nest sein, schlimmer als Ratten, echt!) und wieder hatte ich das Gefühl, die Granaten und guten Spielsachen umsonst mitgebracht zu haben. Denn wieder durfte ich vor allem hydrothermische Pflaster anlegen und Blitzwundverbände auf die prallen Muskeln legen. Wenn das so weitergehen würde, dann könnte ich meine Lederkluft gegen eine Krankenschwesteruniform … ach, lassen wir das.

Nachdem auch dieser Raum von Leichen und Blut durchtränkt war, sahen wir ein, dass wir noch weiter gehen mussten. Zur Abwechslung warteten Skelette auf uns, das war aber die einzige Abwechslung. Der Barbar sprang weiter wie ein Kaninchen zwischen den Gegner rum (was glaubt der eigentlich, wie lang meine Arme sind, um ihn am Leben zu halten?!) und die Schurkin sammelte erst mal alles ein, was glitzerte. Die Rätin erwies sich zwar als erstaunlich clever und brauchbar, hielt aber wenig aus und war dann auch irgendwann erschöpft. Legte sich schnarchend neben den Barbaren, den ebenfalls die Kräfte verlassen haben und dem ein dünner Sabberfaden aus dem Mundwinkel hing, als er sich mitten in die Skeletthaufen legte.

Zum Glück hatte sich die Schurkin irgendwann die Taschen genug vollgestopft und besann sich auf unseren eigentlichen Auftrag. Gemeinsam bündelten wir unsere letzten Energien, Hinterhältigkeiten und technischen Finessen und machten dem letzten Banditen den Garaus!

Wir wühlten uns durch den stinkenden, triefenden Haufen aus toten Banditen, zerfallenen Skeletten, schoben den miefenden Barbaren zur Seite, pieksten die Rättin mehrmals in die Seite und stellten fest, dass die gestohlenen Dokumente und der Dieb hier nicht anzufinden waren. Verdammter Mist, wir mussten also weiter hinein in diese Katakomben. Meine Fleischtasche bahnte sich beim Gedanken daran den Weg Richtung Magenausgang, während meine Füße Richtung Grabausgang wandern wollten und mein Verstand mir sagte, dass es wohl so schnell keinen Ausgang geben würde!

Das Abenteuer beginnt

Ich bin Snignar, Quatryll, Tüftler, kleines Wesen mit großem Gehirn

Ich war nach Gloomhaven gekommen, um mich nach ein paar Materialien für neue Erfindung umzusehen. Es war schon eine Weile her, dass ich das letzte Mal in dieser Stadt war, aber ich erinnerte mich an eine gute Speisestube. Sie verkauften geröstetes Fleisch in einem Brot, dazu kam eine Würzsoße und etwas Kraut sowie Salat. Sehr lecker, also suchte ich wieder den „Schlafenden Löwen“ auf, um etwas zu essen. Die Stube ist sehr gut besucht, es gab nur noch einen freien Platz an einem Tisch mit einer Ratze, einer Schurkin und einem Barbaren, der sich wohl schon länger nicht mehr ans Flussufer begeben hatte. Während des Mals (wir aßen alle diese Fleischbrottasche) kamen wir ins Gespräch und sie stellten sich mir vor.

Mit wem bekam ich es also zu tun?

  • Der Barbar hieß Wulfgart. Etwas ungewaschen, aber ganz sympathisch. Vielleicht nicht die hellste Zündschnur, aber er schien ein ehrlicher, aufrichtiger Charakter zu sein. Ich denke, sein Herz dürfte genauso groß sein wie seine Muskeln, und die sind enorm.
  • Neben ihm saß Laverna, eine blutjunge, sehr hübsche und ziemlich kecke Schurkin. Die hatte Feuer, war nur ein wenig groß! Mit der sollte man sich nicht anlegen.
  • Und dann gab es da noch die Ratze. Unmöglicher Name, Skisqueek, so nennen auch nur Ratzen ihre Kinder, wenn sie sie nicht fressen. Schien aber für eine Ratte ordentlich was in der Birne zu haben, denn sie verstand sich auf Magie. Und wie ich nach dem Essen bemerkte, war es wirklich eine Sie, denn die Ratte war weiblich. Für mich sehen die alle gleich aus.

Nun ja, das hätte ja schon das Ende der Geschichte gewesen sein können. 4 Leute, ein Essen – alle gehen danach nach Hause, aus die Maus (oder Ratte). Aber so einfach war es dann doch nicht, denn direkt nach dem Essen schickte uns ein Auftrag ins Schwarzgrab.

Und das sollte erst der Anfang gewesen sein… mein ruhiges Tüftlerleben war jedenfalls dahin!

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